220km : 3300 HM : 7 Stunden : Brutale Anstiege : Immanuel und Benjamin Bittrich starteten am 05.08.2012 beim härtesten Radmarathon, den das Vogtland zu bieten h

Mehr als 12 Liter Wasserverlust, knapp 10.000 Kalorien, 220km, 3300 Höhenmeter, extrem steile Anstiege, hammerharte Abfahrten, kämpferische Solofahrten, zähneknirschend im Gegenwind, pfeifende Lungen ....

 

....das sind die Eckdaten des legendären, unglaublich schweren Vogtland Radmarathon, veranstaltet vom Vogtländischen Radsport Team Plauen, welcher dieses Jahr zum 13. Mal stattfand.

 

Da fragt sich so mancher: Wer tut sich das an?

Es gibt eine klare, einfache, knallharte Antwort: Radfahrer Immanuel Bittrich (49 Jahre) mit Sohn Benjamin Bittrich (23 Jahre).

 

Beide präsentierten das ProBikeTeam über diese anspruchsvolle Strecke von Plauen über Schöneck, Mühlleiten, Carlsfeld, Auersberg, Johannstadt, Fichtelberg, und zurück, mit einer herausragenden, kämpferischen Leistung.

 

Alles beginnt früh morgens 6 Uhr. Der Wecker klingelt. Nach Frühsport und Dehnübungen ruft das Frühstück. Eintönig aber gut: es gibt Haferflocken mit Kakao, genug Energie für die erste Etappe bis nach Mühlleiten. 7 Uhr setzen wir uns aufs Rad. Auf geht´s zur Erwärmung von Oelsnitz nach Großfrießen (Plauen) zum Start. Gut 14 km und 200 HM haben wir nun schon auf dem Ticker. Doch die gehören noch garnicht zum Marathon. Das war nur die "Erwärmung". Es ist nun 7:30 Uhr, wir haben uns gerade angemeldet. Ohje, es beginnt zu regnen, Temperatur heute glücklicherweise optimal bei 18 Grad. 8 Uhr: der Start in Großfrießen. Es geht hinauf nach Theuma und Juchhöh, von dort aus über Kottengrün und Werda nach Schöneck. Ab Werda setzte ich mich (Benjamin Bittrich) an die Spitze, um das 108 Mann starke Fahrerfeld anzuführen. Es herrscht Gegenwind. Auf den letzten 5km vor Schöneck ist das Feld bereits sehr langgezogen, es gibt größere Lücken. Der Grund: Ich forsierte ungewollt das Tempo, dabei fuhr ich einfach nur meinen Stil. In der Spitzengruppe ebenfalls: Mein Papa Immanuel Bittrich. Von Schöneck aus ging es hinab Richtung Klingenthal. Das Tempo beruhigte sich wieder. Doch schon folgte der nächste harte Anstieg. Gut 3 Kilometer hinauf nach Mühlleiten zur Sommerrodelbahn. Gleich am Beginn des Berges konnte ich mich von der Spitzengruppe absetzen und erklamm mit Abstand als Erster das erste Etappenziel. Gut 1 Minute später, und als etwa siebenter rollte mein Papa ein. Ich habe große Ehrfurcht vor seiner Leistung mit 49 Jahren. Hier konnten Trinkflaschen und Energiespeicher mit Müsliriegeln und Bananen aufgefüllt werden. Nach und nach trudelten alle Fahrer ein. Nach gut 10 Minuten Pause ging es weiter, die Carlsfelder Höhen erwarteten uns. ewig langgezogene Anstiege mit teils über 10 prozentiger Steigung. Ober-brutal: die letzten 500 Meter hinauf zum Auersberg (siehe Bilder). Eine Steigung von mindestens 20 Prozent. Gefühlt sind es mehr. Die Beine werden langsam weich. Man spürt die Füße kaum noch vom Druck auf die Pedale. Oben auf dem Auersberg gab es die zweite "Mahlzeit" und wieder konnten Trinkflaschen gefüllt werden. Aber nicht nur die. Gleich mehrere Becher Wasser haben wir hintergeschüttet. Denn der Wasserverlust ist enorm. Die Sonne blinzelte nun hervor, es wurde blitzartig schöner und wärmer. Bis ins Ziel hielt dies auch an. Es waren durchgehend um die 24 Grad. Sehr schön soweit. Gut ein Drittel haben wir also absolviert. Doch was nun folgt, gibt jedem den Rest. Hinauf zum Fichtelberg meldet sich jede einzelne Muskelfaser persönlich beim Gehrin an, und fragt nach Energie oder bettelt um Erlösung vom Schmerz, Welcher Kurve um Kurve immer größer wird. Endlich! Wir sind oben. Schnell zum Getränkestand. Luft holen...puuh. Aber eins muss man sagen: Der Ausblick, die Landschaft - EINMALIG!

Achso, wer jetzt denkt, das wars, nichts da. Wir sind in der Halbzeit!

Mit Tempo knapp 80 brettern wir den Fichtelberg hinab. Kurze Gerade. Schon gehts wieder hoch. Aua! Stopp! Ruft der Körper. Doch wir müssen weiter. Krämpfe melden sich! Sie plagen uns. Gleichmäßig geht es zwei 4 Kilometerlange Berge hinauf Richtung Carlsfeld. Stehend und Sitzend in Abwechslung. Auch der Hintern meldet sich so langsam.

Geschafft. Letzte Station zum Durchschnaufen und Speicher auffüllen. Kurzes Dehnen, 5 Minuten Pause. Nun gehts weiter, die letzten 50 Kilometer von Carlsfeld nach Plauen stehen auf dem Plan. In einer 8er Gruppe geht es nun nahezu spielend leicht voran, die Krämpfe haben sich etwas gelegt, die Beine bewegen sich fast automatisch. Mit einem Schnitt von gut 35 km/h geht es heimwärts. Schon verrückt, oder?

Gut 20 Kilometer vor dem Ziel wird das Tempo nochmals schlagartig erhöht....und....da ist er wieder, der Krampf. Zumindest bei mir. Mein Papa konnte weiter mithalten, ich musse aufgrund des Krampfes abreissen lassen. Doch ich atmete durch und kämpfte weiter. Hinter mir ein weiterer Fahrer. Doch er schleift auf dem Zahnfleisch. Was nützt es also, ich muss versuchen, allein im Wind, ihn und mich Richtung Ziel zu katapultieren, und eventuell die Fahrer vorn wieder einzuholen. Da sie sich vorn in einer in einer kleinen Gruppe im Wind abwechseln konnten. vergrößerte sich der Abstand schnell auf gut einen Kilometer. Doch plötzlich kehrte meine Kraft zurück. Der Krampf hat sich gelegt. Gleichmäßig mit extrem hohen Wattzahlen gelang es mir schließlich die Außreisser gut 2 Kilometer vor dem Ziel wieder zu stellen. Eine Glanzleistung. Ich zog sogar daran vorbei und fürhte die nun 6er Gruppe ins Ziel.

Wir haben es also tatsächlich überstanden. Nach etwas über 7 Stunden Fahrtzeit sind wir im Ziel.

Ein kurzes Lächeln - die Urkunde entgegen genommen - weiter gehts, wieso? Na ... wir müssen noch nach Oelsnitz zurück. Also geht es nocheinmal hinauf nach Juchhöh und hinab nach Oelsnitz und hinauf nach Haus. Nochmals gut 14 km und 300 Höhenmeter. Diese sind bei den 3300 natürlich noch NICHT inbegriffen gewesen!

 

Dies war ein kurzer Überblick über das Renngeschehen. Im nächsten Jahr könnt Ihr euch gern selbst ein Bild davon machen.

 

Die Fahrer des ProBikeTeam: Benjamin Bittrich, Immanuel Bittrich.